Ich weiß gar nicht, wie lange wir schon darauf angesprochen werden, dass die kleine Rakete einen Schnuller im Mund hat. Was ich allerdings weiß ist, dass es schon relativ früh begonnen hat und dass es mich zunehmend nervt. Unser Sohn ist jetzt fast zwei Jahre und vier Monate alt und braucht den Sauger manchmal mehr und manchmal weniger. Und ich kann das durchaus verstehen. Was ich allerdings nicht verstehen will ist, dass er immer wieder zu einem riesigen Thema gemacht wird. Egal wo wir hinkommen, steht neben der kleinen Rakete immer auch sein Schnuller im Mittelpunkt.

Der Nervenretter

Als ich schwanger war, habe ich viel über das Stillen recherchiert, um vorbereitet zu sein. In einigen Fachartikeln las ich, dass die Verwendung eines Beruhigungssaugers – neudeutsch Nuckel, Schnuller und so manch andere Koseworte – zu einer Saugverwirrung führen könnte. Also fing ich zunächst an Schnuller abzulehnen. Tatsächlich hatte ich wirklich alles Mögliche für unseren Sohn besorgt, um während des Wochenbetts auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. An den Schnullern bin ich allerdings immer schnurstracks vorbeigelaufen. Diese Teufelsdinger kommen uns bestimmt nicht ins Haus, dachte ich. Das tat ich zumindest so lange, bis unser Sohn es endlich nach einer nervenaufreibenden Geburt auf die Welt geschafft hatte. Wir haben nämlich ein kleines Menschenkind mit einem sehr ausgeprägten Saugbedürfnis gezeugt.

Neben diesem starken Saugbedürfnis hatte die kleine Rakete auch ein starkes Stimmchen im Gepäck. Während ich mit einer meiner vielen Brustentzündungen oder Milchstaus im Bett vegetierte, brüllte sich unser von Koliken und Anpassungsschwierigkeiten geplagtes Kind die Seele aus dem Leib und die Ohren des Raketenpapas heiß. Wir haben vieles ausprobiert, aber nichts außer dem Anlegen an meine wunden Brustwarzen half. Das war allerdings so schmerzhaft, dass dieses Mal ich am liebsten geschrien hätte. Außerdem sollte ich zu dieser Zeit vermeiden ihn anzulegen, damit meine Brustwarzen ein bisschen abheilen konnten und pumpte ab.

In dieser Zeit waren wir aufgrund des Schlafmangels und des vielen, vielen Geschreis zunehmend verzweifelt. Als es plötzlich an der Tür klingelte und der Postbote das Geburtsgeschenk von einer der Patentanten der kleinen Rakete vorbeibrachte, war es also Schicksal. Es handelte sich um ein komplettes Set des FC Bayern München, das neben einem Body, Socken und einer Mütze auch einen Schnuller enthielt. Als ich ihn entdeckte, rannte ich förmlich zum Dampfsterilisator, jagte ihn zweimal durch und steckte ihn dem schreienden Bündel in den zuckersüßen Mund. Was folgte war die schönste Stille, die ich bisher erleben durfte.

Der treue Begleiter

Seitdem begleiten uns die Schnuller, wobei sie bei uns eigentlich Nana heißen, weil die kleine Rakete ihnen mit knapp einem Jahr genau diesen Kosenamen gegeben hat.  Und soll ich euch etwas sagen? Sie haben uns wirklich oft den Hintern gerettet. Wenn nämlich gar nichts mehr ging, taten sie stets, wofür sie gedacht sind: Sie beruhigten unser Kind, schenkten ihm Sicherheit und halfen ihm dabei Krankheiten, Schmerzen und das Zahnen durchzustehen.

Das ist auch heute noch so. Wenn die kleine Rakete mit durchbrechenden Zähnen kämpft, sein kleiner Körper versucht die tausendste Bronchitis zu bewältigen oder er einfach die Welt nicht mehr versteht, hilft ihm sein Nana dabei. Und ich finde das gut so! Was würde ich manchmal dafür geben einen kleinen Retter bei mir tragen zu können, der meine Welt wieder zurechtrückt, wenn sie vollkommen aus den Fugen geraten ist! Obendrein schätze ich grundsätzlich alles, das meinem Kind guttut.

Von Schnullern und Katzen

Nun ist es aber so, dass Schnuller oder auch Nanas gesellschaftlich nicht akzeptiert sind. Egal wo wir hinkommen, die kleinen Plastikdinger sind immer Stein des Anstoßes. Also wird die kleine Rakete andauernd gefragt, ob er seinen Nana nicht ausspucken möchte, oder man versucht sogar ihn ihm einfach aus dem Zuckermund zu nehmen. Und das geht, wie ich finde, einfach zu weit. Stellt euch vor ihr tragt etwas bei euch, dass euch gerade hilft und dann kommt jemand, der es euch einfach so wegnimmt. Ich würde da auch anfangen zu schreien und absolut wütend werden. Das wäre mein Recht als Erwachsene und es ist auch das meines Sohnes.

Außerdem bin ich der Überzeugung, dass dieses Verhalten nicht dazu beiträgt, dass die kleine Rakete sich von seinem Nana trennt. Logischerweise platziert er ihn nämlich erst recht genau dort, wo er am besten darauf aufpassen kann und das ist nun einmal sein kleiner Mund. Wenn er nicht das Gefühl hätte ihn andauernd schützen zu müssen, würde er sicherlich weniger darauf aufpassen müssen. Da beißt sich die berühmte Katze also in den Schwanz.

Jedes Kind hat ein eigenes Tempo

Natürlich bin ich mir bewusst, dass das Nuckeln an den kleinen Silikon- oder Latexdingern auch negative Folgen haben kann. Fehlstellungen der Zähne oder Sprachstörungen sind zwei davon. Ich bin mir allerdings auch darüber bewusst, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat. Ich kenne unsere kleine Rakete und weiß sehr genau, wenn irgendetwas im Busch ist. Momentan ist er krank und kämpft gleichzeitig mit den letzten beiden Backenzähnen. Da ist es für mich nicht verwunderlich, dass er gerne auf etwas zurückgreift, dass ihm dabei hilft. Jetzt kommt es für mich also überhaupt nicht in Frage die Schnuller urplötzlich und schnell aus unser aller Leben zu entfernen. Vielmehr möchte ich der kleinen Rakete zunächst die Möglichkeit geben vollkommen zu gesunden und die beiden fiesen Backenzähne zu begrüßen. Erst danach werden wir die ersten Versuche starten ihm die bunten Sauger abzugewöhnen.

Den Schnuller abgewöhnen

Fest steht dabei, dass wir der kleinen Rakete die Schnuller auf sanfte Art und Weise abgewöhnen werden. Also haben wir bereits erste Kinderbücher gekauft, die sich dem Thema widmen und schauen sie regelmäßig mit ihm an. Damit wird das Thema schon einmal ab und zu in den Mittelpunkt gerückt. Hier kann ich euch ein Buch der Moritz Moppelpo-Reihe ans Herz legen. Da werden die Nachteile von Schnullern und die Vorteile vom Verzicht auf eben diese kindgerecht erklärt und dargestellt. Oft spuckt unser Sohn seinen Nana am Ende der Geschichte sogar aus (steckt ihn aber zunächst immer recht schnell wieder in den Mund).

Nachdem die kleine Rakete in der Kinderkrippe keinen Schnuller haben darf und er weiß, dass diese dort absolut unerwünscht sind, ist es für ihn kein Problem, dass er ihn zu Hause oder im Auto lassen muss. Zu 99 % der Fälle klappt das richtig gut. Deshalb gehe ich davon aus, dass es über kurz oder lang auch zu Hause klappen wird. Ob wir ihm die Geschichte von der Schnullerfee erzählen werden, er liebevoll aufgefordert wird die Schnuller einem befreundeten Baby zu schenken, wir sie feierlich und gemeinsam bei Oma und Opa im Garten begraben oder perfide Löcher in die Sauger stechen, damit diese sich nicht mehr so schön anfühlen, ist noch nicht klar. Unser Ziel ist es zunächst, dass sie bis zu seinem dritten Geburtstag keine Rolle mehr spielen.

Der dritte Geburtstag ist in acht Monaten und damit bleibt uns noch eine ganze Weile es ohne Stress und Druck zu versuchen. Das ist mir besonders wichtig, da mir vollkommen klar ist, dass dieser Abschied für die kleine Rakete eine große Bedeutung haben wird. Immerhin begleiten und helfen ihm die Schnuller schon fast sein ganzes Leben lang.

Also gilt es sich ohne großen Stress durch die verschiedenen Möglichkeiten der Entwöhnung zu testen. Ich werde euch auch auf diese Reise mitnehmen und hier berichten, sobald wir erste Erfolge verbuchen konnten.

Wie steht ihr denn zu diesem vieldiskutierten Thema? Sind Schnuller bei euch auch so verpönt oder lasst ihr euch mit der Entwöhnung Zeit? Oder habt ihr es sogar schon geschafft und den ultimativen Tipp für uns? Erzählt doch mal!

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Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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