Mir ist gerade beim Durchstöbern des Bilderordners auf meinem PC ein Bild aus meiner Schwangerschaft unter den Mauszeiger gerutscht. Kennt ihr diese wunderschönen, schwangeren Frauen, die diesen Glow haben und nicht schöner sein könnten? Die, die von innen leuchten, eine tolle Haut und volle Haare haben? Ich war keine davon. Nunja, eigentlich war ich genau das Gegenteil davon. Meine Schwangerschaft war weder besonders schön, noch hat sie mich besonders schön gemacht. Deshalb hat mein Schwangerschaftskalender nur leere Seiten und genau deswegen gibt es auch nur eine Handvoll Bilder von mir mit dickem Bauch. Ich gebe zu, dass ich immer wieder bewundernde und klitzekleine, neidische Blicke auf die Schwangeren werfe, die es besser getroffen haben. Wenn ihr den folgenden Text gelesen habt, wisst ihr alles über meine unschöne Schwangerschaft und könnt das sicher verstehen.

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Die ersten drei Monate

Die kleine Rakete war ein absolutes Wunschkind. Nachdem wir zuvor schon zwei Jahre probiert haben schwanger zu werden, habe ich den Job gewechselt und uns damit eine Pause verschafft. Erst als dieser sich nicht als ein beruflicher Traum entpuppte, versuchten wir es wieder. Es klappte direkt im ersten Monat und so wurde die kleine Rakete zu meiner Austrittskarte.  Ich erinnere mich noch heute sehr gut daran, wie ich dem Raketenpapa weinend und mit dem positiven Schwangerschaftstest in der Hand entgegenrannte. Ich war schwanger. Wir waren schwanger. Was das genau bedeutete, erfuhr ich schon drei Wochen später.

Bevor ich schwanger war, habe ich mir oft ausgemalt, wie es wohl sein und wie es sich anfühlen würde. Schwindel, Übelkeit, Migräne und Müdigkeit gehörten natürlich nicht dazu. In der Realität war mir allerdings drei Monate lang dauerübel und ich litt teilweise unter so schlimmem Schwindel, dass ich das Bett nicht verlassen konnte. Wenn mir nicht schwindelig war, hatte ich hormonbedingte Kopfschmerzen. Und nachdem ich in der Schwangerschaft jede Form von Medikamenten ablehnte, musste ich da nun einfach durch. Fürs Team macht man ja bekanntlich alles.

Meine Leistungskurve ging in dieser Zeit gegen Null. Tatsächlich kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich im Büro oftmals minutenlang nur aus dem Fenster starrte und träumte. Ich konnte mich nicht konzentrieren. Dass ich seit dem positiven Test auf Kaffee verzichtete, machte es, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, nicht einfacher. Das galt übrigens auch für die vielen Witze des Raketenpapas, der mich zu Hause kaum noch im wachen Zustand angetroffen hat.

Nach drei Monaten waren fast all diese Symptome weg. Doch es warteten weitere Überraschungen auf mich.

Unschön schwanger

Eine Freundin erzählte mir einmal, dass sie sich nie zuvor so schön und sexy gefühlt habe, wie während der Schwangerschaft. Bei mir war das ein klitzekleines bisschen anders. Kurz nach dem dritten Monat veränderte sich meine Haut zunehmend. Ich war noch nie mit Porzellanhaut gesegnet. Doch das was da jetzt passierte, übertraf Alles, das ich aus Pubertätszeiten kannte. Ich hatte überall Pickel! Überall! Sogar auf dem Bauch! Wo war denn nun der Glow, von dem alle sprachen? Das Einzige, das an mir glühte, waren unzählige Pickel.

Untermalt wurde das Ganze übrigens durch fettige, aber sehr verlässliche Haare. Verlassen konnte ich mich nämlich immer darauf, dass sie spätestens zwei Stunden nach dem Waschen fettig waren und mein pickeliges Gesicht strähnig umrahmten. Das war laut meiner Hebamme ebenfalls hormonbedingt und passiert manchen, aber nicht vielen Frauen. Schön, dass mein Körper auch hier bereitwillig und mit beiden Händen in die Palette für Symptome, die schwangere Frauen in jedem Fall unansehnlich machen, griff. Ich war eine Augenweide!

Super war auch, dass mein Bauch nahezu explodierte. Ich hatte schon im sechsten Monat einen Bauchumfang von 113 cm. Die vielen Fragen darüber, ob ich denn Zwillinge erwarten würde, halfen da natürlich immens. Auch hilfreich war, dass ich mich eine Weile strikt weigerte noch eine größere Größe zu kaufen und meine Klamotten zwickten und zwackten, wo sie nur konnten. Von den Rückenschmerzen ganz zu schweigen! Und die Tatsache, dass mir der Raketenpapa schon im achten Monat dabei helfen musste mir die Schuhe anzuziehen und dies bereitwillig, aber unter fiesem Kichern tat, machte mich schier verrückt.

Ich kann euch übrigens nicht sagen, wie viele Zentimeter Bauchumfang ich letztlich hatte. Irgendwann habe ich aufgehört zu messen. Vielleicht habe ich das getan, weil ich ein bisschen Angst davor hatte zu platzen. Dass der Bauch weiter wuchs konnte ich auch ohne Messen übrprüfen. Immerhin wuchs mir gleichzeitig ein schönes Doppelkinn, dass sich parallel zum Bauch entwickelte.

Quasimodo 2.0

Glücklicherweise hatte ich ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat zusätzlich Probleme mit der Symphyse. Ich konnte teilweise nicht mehr laufen oder musste mein rechtes Bein ein bisschen nachziehen. Und jetzt lasst doch mal dieses Bild in eurem Kopf entstehen: Eine 1,65 m kleine Kugel auf zwei Beinen, die sie schon lange nicht mehr sehen kann, mit pickeliger Haut, strähnigem Haar und einem recht holprigen Gang. Ich war Quasimodo 2.0!

Ich habe einmal gehört, dass weibliche Föten ihren Müttern in der Schwangerschaft die Schönheit nehmen würden. So sagt man wohl. Wie ihr vielleicht schon auf dem Blog lesen konntet, habe ich einen Jungen zur Welt gebracht. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die kleine Rakete zwei x-Chromosomen gehabt hätte!

Schwangerschaftsdiabetes olé

In der 21. Schwangerschaftswoche wurde bei mir ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Meine Zuckerwerte waren zwar nur leicht erhöht, aber sie entsprachen nicht der Norm und bedeuteten eine Gefahr für die kleine Rakete. Deshalb gab man mir eine Woche Zeit auszutesten, welche Lebensmittel ich vertrug und welche nicht. Das ging recht schnell, weil ich keine Kohlenhydrate mehr vertrug und von allem, was auch nur ansatzweise Zucker in irgendeiner Form enthielt einen üblen Messwert bekam.

Schon zwei Wochen nach der Diagnose musste ich mir dann das erste Mal Insulin spritzen, um auszugleichen, was mein Körper aufgrund der vielen Hormone nicht mehr konnte. Ich durfte Nudeln, Brot, Kartoffeln und Reis nur in winzigen Mengen zu mir nehmen und war deshalb andauernd hungrig. Meine beiden Schwangerschaftsgelüste waren frisches Obst und Pizza. Beides durfte ich nun aber nicht einmal mehr ansehen, ohne dass mein Zuckerwert explodierte. Mir wurde nun also auch das Schönste überhaupt an meiner Schwangerschaft genommen: Essen ohne schlechtes Gewissen. Und das war wirklich schlimm.

Nun war ich ein trauriger Quasimodo 2.0., der ständig Hunger oder Angst um sein Kind hatte. Da will man doch gleich noch ein zweites Kind!

Unschöne Schwangerschaft = schöne Geburt?

Ich würde so gern schreiben, dass die Formel aus der Überschrift aufgeht. Das tat sie aber nicht. Wir hatten keine wirklich schöne Geburt, da sie aufgrund der Schwangerschaftsdiabetes eingeleitet werden musste. Ich hatte von Beginn an jede Minute Wehen und wurde von ihnen überrollt. Mein Geburtsplan sowie alle anderen Gedanken und Wünsche dafür konnten leider nicht realisiert werden und der Raketenpapa hat ein kleines Geburtstrauma bekommen. Letztendlich waren wir beide einfach nur erleichtert, dass die Schwangerschaft endlich vorbei war. So hatten wir uns das alles nicht ausgemalt.

Aber schon als ich die kleine Rakete zum ersten Mal in den Armen hielt wusste ich, dass er es wert war. Er ist einfach perfekt und auch wenn ich eine unschöne Schwangerschaft hatte, habe ich ein wunderschönes, kluges, gesundes und lustiges Kind zur Welt gebracht. Er ist genauso, wie ich ihn mir erträumt hatte und viel mehr als das. Selbst wenn ich an all die blöden Dinge aus meiner Schwangerschaft denke, weiß ich, dass ich all das ein zweites Mal mit mir machen lassen würde, wenn das Ergebnis dasselbe wäre.

 

 

Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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