Seit ich Mutter bin erlebe ich so viele skurrile Momente, dass ich die meisten davon längst vergessen habe, weil sie sehr schnell und in kurzen Intervallen von anderen skurrilen Begebenheiten abgelöst werden. Ab heute werde ich sie schriftlich festhalten und aus diesem und den folgenden Texten eine Serie machen. Wenn es um kuriose Erlebnisse innerhalb meiner Eigenschaft als Mutter geht, habe ich nämlich einiges zu erzählen. Manche Geschichten würde ich mir selbst nicht glauben, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. So wie die heute. (Und noch während ich das schreibe, bleibt mir nichts anderes, als vehement mit dem Kopf zu schütteln.)

Eine Begegnung der dritten Art

Nachdem ich die kleine Rakete heute aus der Kinderkrippe abgeholt habe, mussten wir noch kurz beim Bäcker unseres Vertrauens vorbeischauen. Während ich bereits einen anstrengenden Arbeitstag in den Knochen hatte, freute sich immerhin unser Sohn darauf (was vielleicht ein klitzekleines Bisschen mit dem in Aussicht gestellten Rosinenbrötchen zu tun hatte).

Bei unserem Bäcker gibt es eine kleine Spielecke. Während ich darauf wartete endlich meine Bestellung loszuwerden, kramte die kleine Rakete in der Spielecke ein Buch hervor. Natürlich wollte er es sich gleich anschauen und natürlich bezahlte ich kurz und ging dann mit ihm zu den Tischen, um uns einen Platz zu suchen. Damit lief ich meiner heutigen Begegnung der dritten Art direkt in die besserwisserischen Arme.

„Sie können sich mit an meinen Tisch setzen“, rief eine Frau Mitte 50. „Ich bin Erzieherin und Kinder mögen mich.“ Die kleine Rakete wurde tatsächlich irgendwie von ihr angezogen und setzte sich, sein Rosinenbrötchen in der Hand haltend, an ihren Tisch. Schon da war mir klar, dass ich diese Frau nicht besonders mochte. Irgendetwas an ihr war mir suspekt. Und mein Gefühl trog mich nicht.

Kaum hatte mein Sohn sich hingesetzt und sein Rosinenbrötchen auf dem Tisch abgelegt, riss sie es ihm aus der Hand und legte es auf die Untertasse ihrer Kaffeetasse. „Das Brötchen kann man nicht auf den Tisch legen“, empörte sie sich. „Wer weiß, wer da seine Hände hatte.“, sagte sie, während ihre Hände das Essen meines Kindes hielten und ich ebenfalls nicht wusste, was sie den lieben, langen Tag so mit denen gemacht hat. An dieser Stelle ärgere ich mich übrigens gerade über mich selbst. Ich hätte das kommentieren und sie in ihre Schranken weisen müssen. Sie überschritt eindeutig gleich mehrere Grenzen. Ich war allerdings so baff, dass ich nur ungläubig zugesehen habe und betont gelassen sagte: „Ach wissen sie, er isst auch manchmal Sand, Erde oder leckt Schaufensterscheiben ab. Da wird ihn dieser Tisch nicht umbringen.“ Ihre Antwort ließ mich ein weiteres Mal staunen. „Man muss es ja aber nicht zulassen oder ihn sogar noch ermutigen.“

Mama sieht rot

Spätestens jetzt blinkten meine Alarmsignale. Das Mutterschiff begab sich in Gefechtsstellung. Mama hat mittlerweile nämlich gehörig die Nase voll von Ratschlägen, Unterstellungen oder Einmischungen. „Sie können mir gerne glauben, dass ich meinem Kind nicht Eimer voll Sand in den Mund schiebe“, sagte ich. „Oder Sie lassen es bleiben, es geht Sie immerhin absolut nichts an. Erzieherin hin oder her – seine sind Sie nicht und meine erst recht nicht.“

Also hob ich die kleine Rakete hoch, ging mit ihm zum Nachbartisch, setzte ihn auf meinen Schoß und redete mit ihm. Als ich ihn fragte, ob er heute Abend noch baden oder doch lieber mit der Eisenbahn spielen möchte, wurde ich erneut belehrt. „Einen zweiteiligen Satz versteht er doch noch gar nicht! Wie soll er Ihnen denn da antworten? Das kann er in dem Alter überhaupt noch nicht“, rief meine gestörte Tischnachbarin. Und an dieser Stelle bin ich sogar ein bisschen stolz. Grundsätzlich hätte ich sie in diesem Moment nämlich gerne eines Besseren belehrt und meine gute Kinderstube gerne verdrängt. In Anbetracht meiner Vorbildfunktion für meine kleine Rakete, habe ich jedoch in bestem Erzieherinnen-Ton gesagt: „Sie sind mir wirklich zu schroff und jetzt bitte ich sie uns zu entschuldigen. Mein Sohn und ich unterhalten uns gerade. Und das machen wir so, wie es uns passt. Vielleicht finden Sie auch bald jemanden, der mit ihnen sprechen möchte. Vielleicht aber auch nicht.“ Und damit drehte ich mich weg und ignorierte die Frau, die mich innerlich zum Kochen brachte.

So viel Ärger

Und trotzdem ärgere ich mich noch jetzt und Stunden später wie verrückt. Ich ärgere mich über sie und ihre dreiste Art und ich ärgere mich darüber, dass ich mich überhaupt darüber ärgere und es nicht einfach abtue. Und ja, ich ärgere mich auch über mich. Ich hätte viel mehr Kontra geben und meine, nein unsere, Grenzen abstecken müssen. In solchen Situationen muss ich mein Kind schützen und wenn es auch „nur“ darum geht, dass nicht jeder x-beliebige Mensch sein Essen anfassen darf. Diese Frau war unangenehm und hat es darauf angelegt zu verletzen und mich bloßzustellen. Warum weiß ich nicht und kann es nicht einmal ahnen. Ich kann nur inständig hoffen, dass sie keine Erzieherin ist und mir so schnell nicht wieder über den Weg läuft. Schlechte Laune kann ich mir nämlich auch selber ganz gut machen.

Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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