Die meisten Mütter kennen das Phänomen, das der schwangere Bauch ab der Größe einer Wassermelone andauernd angefasst wird. Da nähern sich Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und manchmal sogar Kollegen und legen ihre Hände manchmal auch ohne vorher zu fragen auf die Hülle, die dein Kind schützt. Da werden ganz gerne Grenzen überschritten und ja, da wird auch gerne die Privatsphäre verletzt. Seit die kleine Rakete auf der Welt ist, versuche ich seine Grenzen zu schützen, so gut ich nur kann. In solchen skurrilen Momenten bin ich eine Löwenmutter und manchmal würde ich gerne genauso gut beißen können. So zum Beispiel auch neulich an einer Raststätte in der Nähe von Leipzig. Herzlich willkommen zu einer neuen Folge „Skurrile Momente einer Mutter“ und viel Spaß beim Kopfschütteln.

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Fremde Hände

Kürzlich haben wir „OpaOma“ besucht und haben auf der anderthalbstündigen Rückfahrt drei Pipipausen absolviert. Bei der dritten und letzten war die Laune der kleinen Rakete am Tiefpunkt angelangt. Er hatte auch auf diesem Rastplatz einen Spielplatz entdeckt und wir sind viel zu spät losgefahren und hatten nun keine Zeit mehr, um auch hier ausgiebig alle Klettergerüste und Schaukeln auszutesten. Obendrein habe ich ihm weder ein Auto, noch ein neues und überteuertes Buch gekauft. Spätestens jetzt war wirklich alles doof und müde war er auch noch. Armer, kleiner zuckersüßer Kerl!

Und da stand er nun in seiner Pumphose mitten im Türrahmen der Raststätte, zog eine niedliche Schnute und weigerte sich auch nur einen Schritt Richtung Auto zu gehen. Wenn nicht gemeckert wurde, fasste er sich – wie immer, wenn er kaputt ist – an sein linkes Ohr und träumte vor sich hin. Ich stand gute zwei Meter von ihm entfernt und wartete bis die grauen Wolken sich endlich verziehen, sich der Schalter umlegt und unser Sohn sich meine Hand schnappt, um endlich nach Hause zu seinen Autos fahren zu können.

Plötzlich näherte sich ein Mann Mitte 50 in einem fleckigen weißen Unterhemd und einer abgeranzten Hose und blieb unvermittelt neben der kleinen Rakete im Türrahmen stehen. Ich weiß noch, wie ich mich darüber gewundert habe, da der Türrahmen wirklich breit war und bereits andere Menschen einfach an unserem Sohn vorbeigegangen sind. Dieser Typ allerdings betrachtete die Szene kurz und fing wenig später an den Arm der kleinen Rakete zu streicheln und seine Hand zu nehmen. Das passierte innerhalb von Sekunden, in meinem Kopf wurde daraus aber eine Endlosschleife in Zeitlupe. Ich hatte das Gefühl, dass es ewig dauerte, bis ich endlich meine Sprache wiederfand und dem Mann sehr deutlich sagte, dass er bitte sofort mein Kind loslassen solle, da es sich nicht um seines handele und er immerhin ein absolut Fremder ist.

Grenzverletzungen

Als die kleine Rakete ungefähr ein halbes Jahr alt war, war ich mit ihm einkaufen und hatte ihn in der Trage. Damals standen wir an der Kasse und warteten darauf bezahlen zu können, als ich einen kurzen Blick über die Schulter warf und sah wie eine ältere Dame die Hand meines Kindes streichelte. Ein anderes Mal befanden wir uns in einer ähnlichen Situation. Ich hatte die kleine Rakete auf dem Arm und er schaut über meine Schulter und auch dieses Mal ertappte ich eine ältere Frau dabei, wie sie meinem Kind das Gesicht streichelte. Keine von ihnen hatte mich zuvor gefragt, ob ich mit dieser Grenzüberschreitung einverstanden wäre.

Diese zwei Erlebnisse haben mich ein wenig ohnmächtig zurückgelassen. Ich war damals hin- und hergerissen zwischen dem anerzogenen Respekt gegenüber älteren Mitgliedern unserer Gesellschaft und dem Bedürfnis beide lauthals in ihre Schranken zu verweisen. Tatsächlich habe ich versucht beide Situationen ohne viel Gerede zu lösen und bin mitsamt dem Säugling ein Stück weggegangen. Das war so allerdings nicht richtig – fand zumindest mein schlechtes Gewissen. Das hat mich nämlich noch sehr lange mit kleinen Stichen beschäftigt. Immerhin hatte ich diesem kleinen Wesen versprochen ihn zu schützen, seit ich von seiner Existenz wusste.

Fauchen wie eine Löwin

Ich verstehe durchaus, dass Kinder und vor allem Säuglinge eine besondere Anziehungskraft auf andere Menschen haben. Was ich aber nicht verstehe ist, dass andere andauernd ihre Privatsphäre verletzen und in ihre intime Zone eindringen. Und das will ich auch gar nicht! Unser Sohn hat genauso viele Grenzen, wie jeder andere Mensch auch. Und ich werde diese schützen so lange er das möchte. Und wenn ich dabei fauchen muss wie eine Löwin! Kinder sind kein Allgemeingut und das werde ich allen klarmachen, die das vergessen haben.

Wie ist das denn bei euch? Habt ihr ähnliche Erlebnisse und skurrile Momente gesammelt? Und wie geht ihr mit solchen Situationen um?

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Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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