Seit ich Mutter bin, bin ich ein Allgemeingut. Seitdem richten nämlich so viele Menschen über mich und drücken mir ihre Meinung ungefragt ins Gesicht, dass ich irgendwann aufgehört habe sie zu zählen. Merken kann ich sie mir eh nicht, da ich viele davon überhaupt nicht kenne. Seitdem ich Mutter bin, bekomme ich ungefragte Ratschläge en Masse. Jeder einzelne davon fühlt sich an, wie ein Schlag in mein müdes Gesicht. Gerade zu Beginn meines Mama-Daseins haben sie mich verunsichert. Heute kann ich oft – aber längst nicht immer – darüber schmunzeln und den Kopf in dem Wissen schütteln, dass ich es besser weiß.

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Von Besserwissern, RatSCHLAG-Gebern und Dreistigkeiten

In den ersten Monaten mit der kleinen Rakete habe ich schnell gemerkt, dass ich in der Öffentlichkeit nicht mehr anonym bin. Ich war jetzt nämlich Mutter und damit immer auch Zielscheibe für Ratschläge und Kommentare aller Art. So geschah es beispielsweise, dass die kleine Rakete mitten in einem Supermarkt schrecklich angefangen hat zu schreien. Bereits nach wenigen Sekunden kam eine Frau auf mich zu gerannt und spie mir erbost die Worte „Merken Sie denn nicht, dass der Hunger hat?“ ins Gesicht. Wenn ich eines wusste, dann war es, dass er keinen hat. Ich spürte, wie Mütter das nun einmal tun, dass er gerade mit einer Kolik kämpft. Davon hatte er zu dieser Zeit nämlich einige. Und dennoch versuchte ich ihn kurze Zeit später anzulegen. Erfolg hatte ich damit natürlich keinen. Immerhin war er satt und sah sich ganz anderen Problemen als Hunger gegenüber.

Diese Frau blieb in meiner Sammlung skurriler Momente mit Besserwissern, RatSCHLAG-Gebern und Dreistigkeiten nicht allein. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft mir gesagt wurde, dass mein Baby Hunger, Durst, schlechte Laune oder Schmerzen habe. Es passierte einfach oft – zu oft. Gerade in meiner ersten Zeit als Mutter verunsicherten mich diese Meinungen jedoch. Ich habe nämlich eine ganze Weile gebraucht um auf meinen Mutterinstinkt zu hören und dieser zunächst leisen Stimme in meinem Wochenbettchaos Gehör zu verschaffen.

Auch nett war eine Dame um die 60, die mir wenige Wochen nach der Geburt der kleinen Rakete über den Weg lief. Damals stand ich mitsamt Kinderwagen vor einem Ständer mit Blusen und sagte meiner Freundin gerade, dass ich es schon schade finde, immer noch eine 42 tragen zu müssen. (In alles andere bekam ich nämlich weder meine Stillbrüste, noch den ehemals schwangeren Bauch rein, der sich dazu entschieden hatte sich sehr langsam zurückzubilden.) Das hörte die besagte Frau, lief an mir vorbei und drückte mir währenddessen den Spruch, dass ich abends ja auch weniger essen könne. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, haben meine Hormone zum Singsang ihrer dreisten Worte getanzt. Und natürlich haben mich ihre Worte dummerweise verletzt.

Ich war nicht allein

Damals habe ich langsam gemerkt, dass ich mit diesem Problem nicht allein war. Anderen Müttern erging es genauso. Das hat mich auf der einen Seite beruhigt und auf der anderen Seite extrem wütend gemacht. So erzählte mir eine Freundin beispielsweise, dass sie mit ihrem Baby in der U-Bahn von einer völlig fremden Frau angefaucht wurde. Der Grund war, dass sie ihr Kind in einem Tragetuch beförderte. Die Fremde schmetterte ihr ins Gesicht, ob sie denn vollkommen bescheuert sei, weil sie nicht sehen würde, dass ihr Kind in dem Ding (einem Tragetuch) ersticken würde. Diese gemeingefährlichen Dinger (Tragetücher) gehören nämlich verboten! Ausrufezeichen! Das Kind schlief übrigens friedlich, während seine Mutter an der nächsten Haltestelle ausstieg, obwohl sie eigentlich hätte weiterfahren müssen.

Papas haben Welpenschutz

Nach jedem meiner skurrilen Erlebnisse fragte ich den Raketenpapa, ob ihm derartige Situationen auch unterkommen würden. Er hat es jedes Mal verneint. Tatsächlich kann er unseren Sohn sehr wahrscheinlich schreiend durch die Gegend tragen und mitleidige Blicke dafür kassieren, während mir mal wieder unterstellt werden würde, dass ich absichtlich Essen unterschlage. Ich habe auch andere Väter gefragt, ob sie jemals in einer ähnlichen Situation waren wie ich. Auch sie haben es verneint. Vielleicht ist das genau deshalb so, weil ihre Reaktion unberechenbarer wäre? Vielleicht sind vor allem junge Mütter einfach das leichtere Ziel? Oder sind die Erwartungen an Väter ungerechterweise geringer?

Es kann nur eine Antwort auf ungefragte Ratschläge geben

Mir ist es zu Beginn meines Daseins als Mama nicht leicht gefallen auf meinen Instinkt zu hören. Und ja, ich war in vielerlei Hinsicht unsicher. Sehr unsicher sogar. Diese vermeintlichen Ratschläge, die so oft ungefragt auf mich einprasselnden, haben mich zusätzlich verunsichert und mir manchmal ganz schön den Boden unter den Füßen weggezogen.

Heute bin ich in meiner Mutterrolle sehr sicher unterwegs und strahle das bestimmt auch aus. Die gut und schlecht gemeinten Ratschläge sind jetzt weniger geworden, aber sie sind nach wie vor da. Erst kürzlich habe ich wieder einen bekommen, der mich zuerst wütend gemacht hat und mich dann milde lächelnd mit dem Kopf schütteln ließ. Heute weiß ich, dass ich mich nicht an ungefragte und noch weniger benötigte Ratschläge, Tipps und Tricks 17 gewöhnen will. Ich brauche sie nicht und deshalb wird meine Antwort immer dieselbe sein: „Darf ich Ihnen auch einen Ratschlag geben? Kümmern Sie sich doch einfach um Ihren Kram!“ Sollte ich doch einen Tipp zu einer bestimmten Sache benötigen, wende ich mich übrigens immer an genau die Menschen in meinem Umfeld, die mir noch nie ungefragt ihre Meinung ins Gesicht geschleudert haben. Denen vertraue ich nämlich.

Wie war oder ist das denn bei euch? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie reagiert ihr auf ungefragte Ratschläge? Erzählt doch mal!

Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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