Schon vor meiner Schwangerschaft habe ich erkannt, dass das Schlafen und Einschlafen von Babys, Kleinkindern und größeren Kindern bei allen befreundeten Eltern große Themen sind. Ich wurde ebenso Zeugin von verschiedenen Abendritualen, wie von Holzhammermethoden und überforderten Eltern. Letztere wunderten sich ob der Einschlafprobleme Ihres Kindes, unternahmen jedoch auch wenig, um dem kleinen Wesen Hilfestellungen zu geben. Schon damals wusste ich, dass es in unserem Zuhause ein liebevolles Abendritual geben wird. Wir sind einen sanften und deshalb längeren Weg gegangen, ernten dafür nun aber jeden Abend fleißig süße Freizeitfrüchte.

Ein erstes, kleines und rauschendes Abendritual

Seit seiner Geburt hat die kleine Rakete mit mir/uns zunächst in einem Bett geschlafen. Zuerst haben wir ein Beistellbett an unser Bett gestellt und nachdem es mit dem Stillen im Liegen immer besser geklappt hat, hab ich ihn aus purer Bequemlichkeit direkt neben mir schlafen lassen. So konnte er kurz trinken und danach einfach weiterschlafen. Platz war außerdem genug, da der Raketenpapa tagsüber arbeiten musste und deshalb kurzerhand ausgezogen ist. Vom Durchschlafen waren wir nämlich meilenweit entfernt.

Schon in unserer ersten gemeinsamen Zeit hatten wir eine Art Abendritual. Sobald die kleine Rakete einen annehmbaren Tag-Nacht-Rhythmus inne hatte, haben wir ihn abends immer zur gleichen Zeit ins Bett gebracht. Genauer gesagt, hat sich eine/r von uns kurz mit ihm hingelegt und ihn in den Schlaf gestreichelt. Weil die kleine Rakete ein sehr unruhiger und von Koliken geplagter kleiner Kerl war, hat uns unser Föhn die ersten fünf Monate dabei begleitet. Dieses Geräusch in Verbindung mit unzähligen Streicheleinheiten hat irgendwann immer dazu geführt, dass ihm die Augen zugefallen sind. Tatsächlich ist uns das auch oft passiert. Nicht selten wurde ich wieder wach, weil das laute Monstrum noch immer lief. Später haben Freunde mit ähnlichen Problemen mir berichtet, dass es sogar Apps gibt, die dieses und ähnliche Geräusche in Dauerschleife laufen lassen. Das wäre vielleicht auch eine Möglichkeit gewesen.

Bye Bye Familienbett

Als die kleine Rakete 7 Monate alt war, konnte er sich mittlerweile drehen und begann langsam zu krabbeln. Deshalb war das Familienbett nicht mehr sicher, sobald nicht einer von uns mit darin lag. Zu groß war unsere Angst, dass er herausfallen und sich ernsthaft verletzen könnte. Also stellten wir sein Gitterbett in unser Schlafzimmer und gewöhnten ihn langsam und sanft daran. So verrenkten wir uns die Arme, um ihn durch die Gitterstäbe hindurch in den Schlaf zu streicheln und blieben immer bis er eingeschlafen war bei ihm. Wenn er nachts wach wurde und Hunger hatte nahm ich ihn mit in unser Bett, stillte ihn und ließ ihn neben mir schlafen.

Als er knapp 8 Monate alt war, mutierte ich langsam zum Zombie. Wir schliefen noch immer in einem Zimmer und zeitweise in einem Bett und genau das war das Problem. Während er im Schlaf den Tag verarbeitete, sich drehte und wendete und mir immer wieder kleine Wurstärmchen ins Gesicht schleuderte, lag ich wach und überprüfte, ob es ihm gut geht. Bei jedem winzigen Geräusch öffnete ich mindestens ein Auge. Obwohl ich nicht mehr stillte, konnte ich von längeren Schlafphasen nur träumen. Deshalb beschloss der Raketenpapa den bittersüßen Abschied vom Familienbett und dem elterlichen Schlafzimmer. Die kleine Rakete sollte von nun an in seinem eigenen Bett und in seinem eigenen Zimmer schlafen. Im Nachhinein war ich ihm dankbar dafür. Ich selbst wäre wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen ihn auszuquartieren. Tatsächlich musste ich mich regelrecht dazu überwinden und überreden lassen. Allerdings half der enorme Schlafmangel sehr dabei mich letztlich zu überzeugen. Nie im Leben war ich so müde.

Die Grundlagen unseres Abendrituals

Mit dem Auszug aus dem elterlichen Schlafzimmer, haben wir auch unsere finale Abendroutine entwickelt. Dabei hatten wir das Gefühl, dass wir uns auf ein Abendritual einigen müssen, damit wir beide dahinterstehen, es in gleicher Weise umsetzen und der kleinen Rakete so eine gewisse Routine ermöglichen. Ihmchen sollte wissen, dass Schlafenszeit ist, wenn dieses oder jenes passiert und so die Möglichkeit haben den Tag abschließen zu können. Also einigten wir uns darauf, dass er immer zur gleichen oder wenigsten ähnlichen Zeit bettfertig gemacht wird und legten bestimmte Eckpunkte fest, die sich an jedem einzelnen Abend einer jeden Woche wiederholen sollten. Ausnahmen sollte es dabei möglichst keine geben. Bis heute halten wir uns daran und der Erfolg gibt uns Recht.

Unser Abendritual

Im Grunde beginnt unser Abendritual bereits damit, dass wir immer gemeinsam gegen 18:00 Abendbrot essen. Danach gehen wir Hände und Schnute waschen und spielen noch zehn bis fünfzehn Minuten mit der kleinen Rakete. So hat er Zeit zu verdauen und wir die Gelegenheit noch auf den ein oder anderen Legostein zu treten. Dann räumen wir gemeinsam sein Zimmer auf, wickeln ihn und ziehen einen neuen Body an. Dann gehen wir mit ihm Zähne putzen und lüften währenddessen sein Kinderzimmer. Im Anschluss daran ziehen wir ihm seinen Schlafsack an und er darf sich ein Buch aussuchen. Das wird dann vorgelesen oder frei erzählt. Wir haben es uns übrigens angewöhnt ihm immer abwechselnd eine Seite vorzulesen und verwenden altersgerechte Bücher mit Reimen, lustigen Ilustrationen und wenig Text.

Direkt nach der Geschichte sagen wir dem Buch Gute Nacht und legen ihn in sein Bett. Jetzt singen wir ein bisschen schräg und schief, aber liebevoll „Lalelu“ und streicheln ihm dabei sanft über den Kopf. Zum Schluss kippen wir das Fenster an, lassen das Rollo herunter und schalten ein bestimmtes Lied der Babyphone-Jukebox an. Mittlerweile gehen wir danach direkt aus dem Zimmer. Die kleine Rakete schläft in 98 % aller Fälle während des Liedes ein. Innerhalb der restlichen Prozent kann es sein, dass wir noch ein bis zweimal an sein Bett treten müssen, um ihn sanft wieder hinzulegen oder ihm etwas zu trinken zu geben. Mit im Gepäck haben wir dabei immer den dicksten Gute-Nacht-Kuss der Welt.

Ein sanfter Weg

Wir sind nicht immer direkt nach dem Schlaflied aus dem Zimmer gegangen. Auch daran haben wir ihn langsam und sanft gewöhnt. Zuvor haben wir uns auf einen Schaukelstuhl im Kinderzimmer gesetzt und sind so lange geblieben, bis das Lied vorüber war. Webnn er während des Schlafliedes aus der Babyphone-Jukebox eingeschlafen war, sind wir rausgegangen und wenn nicht, sind wir geblieben, bis das Lied vorbei war. Dann haben wir ihm nochmals Gute Nacht gesagt und das Zimmer zügig verlassen. Erst als wir beide das Gefühl hatten, dass dies im Grunde nicht mehr nötig ist, haben wir uns entschlossen direkt nach dem Ende des Liedes aus dem Zimmer zu gehen. Auch hier haben wir es also auf eine ganz sanfte Art versucht und immer dafür gesorgt, dass die kleine Rakete weiß, dass er nicht alleine ist – auch wenn wir nicht im Zimmer sind. Im Grunde glaube ich, dass es dieses Wissen und die allabendliche Routine sind, die ihm das Vertrauen schenken, dass er braucht, um alleine einschlafen zu können.

Wir sind immer da

Wichtig war und ist uns zu jeder Zeit gewesen, dass wir da sind, wenn er schreit und uns augenscheinlich braucht. Wir sind beide der Meinung, dass Kinder nicht lauthals schreien, um uns zu ärgern, sondern es aufgrund bestimmter Bedürfnisse tun. Sie brauchen ihre Eltern bspw. weil sie Hunger, Durst, Zahnschmerzen, Angst oder ein Bedürfnis nach Nähe haben. Vielleicht weinen sie aber auch einfach, weil sich ihre Welt aufgrund einer verbesserten Wahrnehmung andauernd ändert und sie auf das einzig Bekannte zurückgreifen möchten, das ihnen bleibt – ihr Eltern. Die kleine Rakete schreien zu lassen war nie eine Option und ist es bis heute nicht. Und ich kann mit Stolz behaupten, dass wir noch nie zu diesem drastischen Schritt greifen mussten. Auch wenn die Nächte noch so schwierig sind und glaubt mir, wir hatten schon viele schlimme Nächte, sind wir für ihn da. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies eine wichtige Grundlage für das Vertrauen ist, dass Kinder brauchen, wenn sie plötzlich im eigenen Bett und eigenem Zimmer schlafen sollen. Die Gewissheit, dass nicht allein zu sein, wenn es mir schlecht geht und das Vertrauen in die Eltern hilft sicherlich enorm dabei.

Alles kann, nichts muss

Ich kenne Frauen, die ihr Kind hin und wieder schreien lassen mussten, weil sie einfach keine Kraft mehr hatten und verzweifelt waren. Und ich habe Freundinnen, die ihre Kinder nach der umstrittenen Ferber-Methode kontrolliert schreien lassen, weil diese enorme Einschlafprobleme haben, die sogar die Beziehung der Eltern in Mitleidenschaft gezogen haben. Keiner davon mache ich einen Vorwurf oder übe Kritik. Letztlich glaube ich, dass alle Eltern wissen, was das Beste für sich und ihr Kind ist und ihren eigenen Weg finden. Das hier ist unserer und natürlich kein Garant dafür, dass dieser auch bei einem anderen Kind funktioniert. Ich habe mich bezüglich des Abendrituals vorher etwas belesen und den Rest meinen Mutterinstinkt erledigen lassen. Bisher klappt es super und ich würde es auch beim zweiten Kind genau so machen.

Übrigens ist ein gutes Einschlafritual keine Garantie für ein Kind, das durchschläft. Das hat bei uns 18 Monate gedauert und ich würde lügen, wenn ich schreiben würde, dass er jetzt immer durchschläft. Noch sind die Nächte, in denen das tatsächlich geschieht, rar. Aber es gibt sie immerhin.

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Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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