Kurz nachdem wir Ende 2015 mit der Kita-Eingewöhnung gestartet sind, war die kleine Rakete zum ersten Mal so richtig schlimm erkältet. Und das blieb auch so, bis der Frühling sich von seiner besten Seite gezeigt hat. Viele Fieberstunden, wache Nächte, vollgeschnodderte Taschentücher und einen Krankenhausaufenthalt später, machte mir unser Kinderarzt Mut, indem er prophezeite, dass es im kommenden Jahr viel besser werden würde. Für das Immunsystem der kleinen Rakete sei das viele Kranksein übrigens nahezu perfekt, sagte er. Unser Kind würde so nämlich Abwehrkräfte entwickeln, wie kaum kein anderes und später nur sehr selten krank sein. Auf dieses Später warte ich seitdem. Später ist auf jeden Fall nicht heute.

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Fünf Monate Siechtum

Mir reicht’s. Ich würde so langsam gerne aus dem Krankenlager ausziehen, den Bazillenzug verlassen und den Viren mal ordentlich den Stinkefinger zeigen. Wir sind jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit krank. Pünktlich zur Schlechtwetter-Periode im vergangenen September, brachte die kleine Rakete die erste saftige Erkältung mit nach Hause. Seitdem war er vielleicht fünf Tage gesund. Wobei gesund hier meint, dass er weder gehustet hat, noch andauernd niesen musste.

Jedes Mal, wenn die kleine Rakete Kitaviren mit nach Hause bringt, bedeutet das übrigens, dass der Raketenpapa und ich umfallen, wie die Fliegen. Wir sind für Viren dieser Art einfach nicht gemacht und unser Immunsystem hat ihnen nichts, aber wirklich gar nichts, entgegenzusetzen. Das wiederum hat zur Folge, dass ich seit fast fünf Monaten Halsschmerzen, Schnupfen, Husten oder alles zusammen habe. Das zehrt nicht nur an meinen Kräften, sondern hat sie mittlerweile gänzlich aufgefressen.

Wenn der Akku leer ist

Es ist bestimmt nicht meine Art in Krisensituationen zuerst an mich zu denken. Jeder der mich kennt, weiß, dass ich das Wohl anderer immer erst über mein eigenes stelle. Umso erstaunter war ich kürzlich über meine Reaktion auf das Fieber der kleinen Rakete.

Unser Sohn war gerade einmal drei Tage gesund, als er an einem Sonntagnachmittag plötzlich und aus heiterem Himmel anfing zu fiebern. Nachdem ich seine Temperatur gemessen habe, habe ich ihn kurzerhand an den Raketenpapa übergeben und das Zimmer verlassen müssen. Ich war auf einmal so verzweifelt, dass ich gar nicht anders konnte, als hemmungslos zu weinen. Ich selbst hatte kurz vorher noch mit einer heftigen Angina gekämpft und war halbwegs auf dem Weg der Besserung. Meine Kräfte waren allerdings noch lange nicht zurück. Dafür hatte meine To-Do-Liste mittlerweile die Länge der A9.

Zu allem Überfluss musste der Raketenpapa am nächsten Tag auch noch auf eine überaus wichtige Geschäftsreise fahren. Für mich bedeutete das einen kleinen Weltuntergang, weil ich wirklich keine Ahnung hatte, wie ich die Kraft für ein fieberndes, krankes und hilfsbedürftiges Kind aufbringen sollte. In dem Moment, in dem ich begann mich in meinem Selbstmitleid zu suhlen, klopfte auch schon das schlechte Gewissen an.

Alles wurde gut

Ich habe an diesem Tag eine ganze Weile gebraucht um mich zu sammeln. Letztlich wusste ich aber die ganze Zeit, dass ich mich mit all meiner Liebe um mein Kind kümmern würde. Im Ohr hatte ich dabei die beruhigenden Worte des Raketenpapas, der mir immer wieder sagte, dass die kleine Rakete bestimmt nicht lange krank sein würde. Immerhin hatte er bis auf das Fieber und den mickrigen Zustand kein anderes Symptom vorzuweisen. Also atmete ich tief durch, ein und aus und machte mich auf alle Eventualitäten gefasst.

Am nächsten Morgen begrüßte mich meine kleine Rakete hüpfend im Bett. Er hatte weder Fieber, noch irgendetwas anderes und war augenscheinlich gesund. Ich bin selten so dankbar gewesen, wie in diesem Moment. Denn so sehr ich mir die Kraft einreden wollte, die ein krankes Kind erfordert, so sehr wusste ich, dass mein Akku einfach leer ist. Sicherlich hätte ich auch diese Zeit bewältigt, weil wir Eltern das nun einmal immer tun. Aber ich wusste, dass ich mich seit Wochen nah an einer sehr gefährlichen Grenze bewegte und im Grunde erst einmal selbst auf die Beine kommen müsse.

In Quarantäne

Vor zwei Tagen bin ich zu meiner Mama und ihrem Lebensgefährten gefahren, um meiner To-Do-Liste endlich gerecht werden und effizient den ganzen Haufen wegarbeiten zu können, der sich in den letzten Krankheitswochen angesammelt hat. Als ich aufgebrochen bin hatte ich lediglich einen Schnupfen, jetzt liege ich mehr oder weniger erneut richtig flach. Das Gute ist, dass ich meine beiden (mittlerweile gesunden) Lieblingsmänner nicht wieder anstecken kann und mich hier nun in Quarantäne befinde. Ich werde noch drei Tage hierbleiben, maßgeblich schlafen und hoffe, dass dann das Gröbste überstanden ist. Vielleicht schaffen wir es jetzt den ewigen Krankheitskreislauf zu durchbrechen.

Im vergangenen Jahr hat uns übrigens der Frühling geheilt. Die kleine Rakete war, bis auf einen kleinen Hand-Mund-Fuß-Ausrutscher im Sommer, bis Ende September gesund. Und wir deshalb natürlich auch. Ich hoffe sehr, dass wir es spätestens dann überstanden haben und wieder ein paar Monate zur Ruhe kommen und Kraft tanken können. In dieser Zeit kann ich mich dann vielleicht mit den blöden Kitaviren versöhnen und wieder heftig nicken, wenn ich an die Worte unseres Kinderarztes und das tolle Immunsystem der kleinen Rakete denke. Später also. Später.

Ich werde übrigens oft darauf angesprochen, dass wir so oft krank sind. Ist das denn wirklich so besonders? Können euch die Kitaviren nichts anhaben oder hauen sie euch genauso um, wie uns? Und wenn ja, habt ihr vielleicht geheime Mittelchen, die schnell helfen und von denen ich noch nichts weiß? Raus damit!

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Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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