Vor Kurzem habe ich euch darüber berichtet, dass ich gefragt wurde, ob und wie mich das Muttersein verändert habe. Über diese Frage habe ich eine ganze Weile nachgedacht und erkannt, dass die Mutterschaft mein Leben weitestgehend auf den Kopf gestellt hat. Teilweise bin ich nach wie vor dieselbe Person, die ich vorher war. Zum größeren Teil habe ich mich, meine Meinung, meine Einstellung zu bestimmten Themen und mein Leben hingegen absolut verändert. Nachdem mir nach der Veröffentlichung des ersten Beitrags so viele Dinge eingefallen sind, die sich seit der Geburt der kleinen Rakete geändert haben, kann ich sicherlich noch ein paar Blogposts damit füllen. Also herzlich willkommen zur neuen Serie: Wie mich das Muttersein verändert hat.

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Nie wirklich allein

Jede Mutter kann sicherlich bestätigen, dass man als Mama nie wirklich allein ist. Im ersten Jahr mit der kleinen Rakete war dieses Gefühl natürlich am intensivsten. Wir verbrachten unsere Tage und bis Ende des achten Lebensmonats auch unsere Nächte maßgeblich gemeinsam. Während die Tage sich dadurch kennzeichneten, dass unser Sohn immer – wirklich immer – in meiner direkten Nähe sein musste, schliefen wir nachts in einem Bett, wobei ich dabei entweder eine kleine Hand im Gesicht oder einen Finger im Ohr hatte. Damals fühlte sich alleine aufs Klo gehen zu können an, wie ein kleiner, erholsamer Kurzurlaub. (Davon gab es allerdings nicht viele.) Es war als wollte er immer und zu jeder Zeit sicherstellen, dass ich bleibe. Und wenn ich mich auch nur wenige Zentimeter wegbewegte, protestierte er lauthals. Er brauchte mich, weil ich manchmal seine einzige Konstante in diesem Chaos aus Entwicklungsschritten, Sprüngen und neuen Gefühlen war.

Seit er in die Kinderkrippe geht, gehe ich zwar wieder arbeiten, bin aber auch hier natürlich nicht alleine. Und wenn ich Feierabend habe, hole ich unseren Sohn auch schon ab. Tatsächlich habe ich mich mittlerweile daran gewöhnt nie wirklich für mich zu sein. Gerade deshalb fällt es mir total schwer mir Auszeiten vom Familienalltag zu nehmen. Wenn die kleine Rakete beispielsweise ein Wochenende bei Oma und Opa verbringt, leide ich sogar körperlich darunter. Ich schlafe schlecht, vermisse ihn und fiebere dem Tag entgegen, an dem ich ihn abholen kann. Das ist natürlich unverhältnismäßig blöd, weil ich genau diese Zeit nutzen sollte, um Dinge für mich zu tun. Und das sollte ich am besten ganz ohne schlechtes Gewissen machen. Ich habe mir fest vorgenommen mich daran zu gewöhnen.

Einsam

Ich war ziemlich überrascht, als ich in meiner Elternzeit feststellte, dass ich trotz der ständigen Gesellschaft meines Kindes einsam war. Gerade in unserem ersten gemeinsamen Jahr hat sich dieses Gefühl recht häufig in den Alltag geschlichen. Mir fehlten schlichtweg Gespräche mit Erwachsenen, die weder die Themen Stuhlgang, Schlaf oder Stillen beinhalteten und Gespräche mit anderen Müttern, die mir bestätigten, dass ich mit meinen Zweifeln, Ängsten und Gefühlen nicht allein bin. Mir fehlte die Nähe von Freunden und die meiner Familie. Und mir fehlte – obwohl ich mit niemandem tauschen wollte – auch meine Unabhängigkeit. Wenn ich Zeit hatte zu telefonieren oder mich mit jemandem zu treffen, arbeiteten alle. Und wenn es bei ihnen gepasst hätte, lag ich längst im Bett und versuchte Kraft zu tanken oder meinen Sohn zum Schlafen zu bewegen. Ehrlicherweise habe ich mich nicht nur aus uneigennützigen Gründen beim PEKIP sowie beim Babyschwimmen angemeldet. Das war nämlich ein Weg, um der Einsamkeit zeitweise zu entfliehen.

Auch heute habe ich manchmal das Gefühl einsam zu sein. Ich hetze oft nur so durch die Tage. Ich arbeite, kümmere mich davor und danach um meinen Sohn, erledige das Bisschen Haushalt, wenn er im Bett ist und falle dann wiederum todmüde in mein Bett. Mit einem Baby oder Kleinkind und einem Mann im Außendienst bleibt wenig Raum für soziale Kontakte, ausgiebige Telefonate oder spontane Treffen. Und daraus resultierten bei mir oft Einsamkeit und eine große Unzufriedenheit. Ich musste schnell lernen, dass ich mir diesen Raum schaffen muss, damit ich nicht verrückt werde. Natürlich bin ich nicht mehr spontan und erst recht nicht unabhängig. Also plane ich mir Räume für mich und mache verbindliche Termine. Ich plane Treffen mit Freunden genauso in meine Tagesabläufe, wie beispielsweise Telefonate und sehe zu, dass ich mindestens einmal die Woche in meiner Freizeit unter Leute komme.

Freunde kommen, Freunde gehen

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass man feststellt, wer wirklich gute Freunde sind, wenn man schwanger wird. Meiner Erfahrung nach, stellt man es fest, wenn man das Kind zur Welt gebracht hat. In den zwei Jahren, die die kleine Rakete uns nun vervollständigt, musste ich einige Freunde und Freundinnen gehen lassen. Eine erzählte mir noch in der Schwangerschaft, wie sehr sie sich auf unser Kind freue und wie viel Unterstützung ich erwarten könne. Davon war leider nie etwas zu spüren. Ganz im Gegenteil hatte ich das Gefühl, dass sie sich seit der Geburt der kleinen Rakete von mir entfernt und zurückzieht. Meine Nachfragen blieben unbeantwortet und so zerbrach diese vermeintlich gute Freundschaft. Mich hat das damals lange beschäftigt und sehr verletzt. Gerade im ersten und nicht ganz einfachen Jahr mit meinem Sohn hätte ich Unterstützung in irgendeiner Form gut gebrauchen können.

Manche Freundschaften habe ich beendet. Seit ich Mutter bin, habe ich nicht mehr viel Zeit für mich. Und gerade weil diese so rar ist, möchte ich sie mit Menschen verbringen, die mir guttun und denen ich guttue. Ich möchte Spaß haben, Lachen und mich in ihrer Gegenwart wohlfühlen. Für komplizierte Beziehungen habe ich weder Zeit, noch Geduld und schon gar keine Kraft. Glücklicherweise habe ich Menschen in meinem Leben, die so unkompliziert wunderbar sind, dass ich weiß, dass sie immer bleiben. Das sind die, denen es nichts ausmacht, wenn sie mal ein paar Wochen nichts von mir hören und mit denen auch ein Treffen nach Tagen der Funkstille immer wieder wunderschön ist. Das sind Menschen, die mich mögen, wie ich bin, mich nicht in Schubladen zwingen, in die ich nicht passe, mich und meine Meinung respektieren und natürlich über meine Witze lachen.

Andererseits hatte ich auch das Glück andere Mütter kennenzulernen. Manche davon sind mittlerweile gute Freundinnen geworden. Eine von ihnen habe ich beispielsweise tatsächlich beim PEKIP kennengelernt. Es tat damals genauso gut wie heute zu merken, dass man am Ende doch im selben Boot sitzt. Zum Glück ist uns unser Galgenhumor nie wirklich abhandengekommen und so haben wir wirklich viel über unseren Mama-Alltag zu lachen, wenn wir uns mit mindestens einem Glas Wein in der Bar unseres Vertrauens treffen.

Mutig, mutig

Mama zu sein hat mich mutiger gemacht. Ich nehme noch weniger ein Blatt vor dem Mund, als ich es zuvor bereits getan habe. Seine eigenen Interessen und Meinungen zu vertreten, erfordert immer einen gewissen Mut. Dennoch habe ich früher oft auch darauf verzichtet, weil mir Harmonie schon immer sehr wichtig war. Dass es die nie gänzlich geben kann, wenn unausgesprochene Konflikte im Raum stehen, habe ich dabei oft übersehen. Wenn mich heute etwas stört, sage ich es, auch wenn das Konsequenzen für mich hat. Meine bisher mutigste Entscheidung war meinem ehemaligen Chef zu sagen, dass ich auf keinen Fall weiter für ihn arbeiten möchte. Bevor ich Mutter wurde, hätte ich mich auch auf Kosten meiner eigenen Gesundheit durchgebissen und nicht gekündigt, bevor ich einen anderen Job gehabt hätte. Hier stand jedoch mein Wohl und damit auch das meiner Familie auf dem Spiel. Also habe ich ihm sehr deutlich gesagt, was meine Beweggründe sind und warum ich mich gegen diese gut bezahlte und sehr sichere Position entscheide. Schon während ich die Worte aussprach, fühlte ich mich großartig. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dieser neue Mut fühlt sich richtig an und ich lebe sehr gut damit.

Der Blick auf die eigene Mama

Seit ich selbst Mutter bin, weiß ich noch mehr zu schätzen, was meine Mama für meinen Bruder und mich getan hat. Als Kind und Teenager war mir das in meiner Parallelwelt natürlich nicht wirklich bewusst. Erst vor Kurzem habe ich sie vollkommen entnervt gefragt, wie sie nur ihren Vollzeit-Job, den Haushalt, mich – das Pubertier schlechthin – und alles andere so gut unter einen Hut bekommen konnte, dass ich tatsächlich glaubte, dass es nicht so schwer sein könne. Heute weiß ich erstens, dass sie jeden Morgen um 4:00 Uhr aufgestanden ist, um allem gerecht werden zu können und zweitens, wie schwer es tatsächlich ist all die kleinen und großen Dinge unter den besagten Hut zu bekommen. Immerhin scheitere ich sehr oft daran. Viel Freizeit blieb ihr nie und dennoch hat sie uns mit einer Hingabe und Liebe erzogen, dass das Wort Bewunderung gar nicht ausreicht.

Heute weiß ich sehr genau worauf sie für uns verzichtet hat und was sie für uns aufgegeben hat. Ich kann nur ahnen, wie schwer das manchmal war. Dennoch habe ich es nie gespürt. Meine Theorie ist immer noch, dass meine Mama eine Superheldin mit immensen Superkräften sein muss. Anders ist es einfach nicht zu erklären.

Hat euch das Muttersein verändert? Oder seid ihr genau dieselbe Person, die ihr auch vorher wart? Erzählt doch mal!

Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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