„Ach Mist!“, rufe ich aus dem Badezimmer. „Ich habe schon wieder aus Versehen eine kleine Wollsocke bei 60 Grad gewaschen.“ Woraufhin der Raketenpapa antwortet: „Das macht doch nichts, die passen doch eh nicht mehr lange.“ Und da passiert es: Ein kleiner Stich landet direkt in meinem müden Mutterherz.

 

Wir sind komplett, oder?

Wenige Tage zuvor saßen der Raketenpapa und ich gegen 3:00 Uhr morgens und ziemlich fertig auf der Couch. Beide Kinder schliefen endlich und wir waren im Begriff abzuklatschen, uns auf die beiden Zimmer aufzuteilen und unsere müden Köpfe jeweils neben einen unserer schlafenden Söhne zu legen. In dieser Nacht stellten wir fest, dass wir in jedem Fall vollzählig sind. Ein drittes Kind würde es in unserer kleinen Familie nicht geben. Denn uns gefällt das Konzept durchschlafener Nächte ebenso, wie die kleinen Freiheiten, die wir mittlerweile wieder zurückerobert hatten, weil die kleine Rakete mit seinen knapp vier Jahren schön selbstständig geworden ist.

Und dann sind da diese Momente, in denen ich unzählige Seelenfotos mache. Dann liege ich zwischen unseren beiden Kindern, lausche ihren tiefen Atemzügen und spüre nichts, als das pure Glück. Dann sehe ich, wie die kleine Rakete seinen kleinen Bruder küsst. Und dann werde ich Zeugin, wie die Minirakete sich jedes einzelne Mal freut, wenn er seinen großen Bruder erblickt.

In diesen Momenten meldet sich manchmal eine leise Stimme in mir. Und sie stellt immer dieselbe Frage: „Wir sind doch komplett, oder?“

 

Die Zerreißprobe

Und dann sind da noch die anderen und weniger rosaroten Momente. In diesen versuche ich mich zwischen beiden Kindern zu zerreißen und vergesse mich darüber selbst. Dann schlägt das schlechte Gewissen zu, weil ich der kleinen Rakete keine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen kann, weil sein kleiner Bruder den Tag schreiend verarbeitet, oder ich aufgrund des Stillens wieder nicht mit ihm spielen kann. Und in anderen ist mir alles zu viel – viel zu viel. Dann brauche ich Raum und Zeit für mich und weiß, dass ich diesen erst in ein paar Monaten bekommen werde.

In diesen Momenten höre ich eine andere Stimme. Sie schreit mir nahezu entgegen, dass wir absolut vollzählig sind und weder meine Nerven, noch mein Gewissen oder das letzte Quäntchen Kraft für ein weiteres Kind reichen werden.

 

Alte Neuanfänge

Mit der Geburt der Minirakete stehen wir wieder am Anfang. Doch dieses Mal sind wir vorbereitet. Wir wissen, dass Schlaf in den nächsten Monaten eine Rarität sein wird. Wir kennen die fiesen Nächte, die uns die ersten Zähne bringen werden. Und wir wissen um die sorgenvollen Nächte, die wir neben einem fiebernden Säugling oder Kleinkind verbringen werden. Wir erinnern uns an die Anfänge der Trotzphase der kleinen Rakete und ahnen, welch Temperament die Minirakete im Gepäck haben könnte. Es ist anstrengend und wird es bleiben.

„Es ist ein Knochenjob.“, schrieb mir eine gute Freundin neulich, als sie von der ersten Zeit mit ihrer Tochter berichtete. Und da hat sie recht. Aber es ist eben auch der schönste Job der Welt. Unsere beiden Söhne begleiten zu dürfen ist sicherlich anstrengend und verlangt uns einiges ab. Aber es ist die ganze Mühe wert. Nie habe ich bedingungsloser geliebt, als in den vergangenen vier Jahren und nie werde ich tiefer empfinden, als für diese beiden wunderbaren Kinder.

 

Vier gewinnt

Ich habe in den vergangenen Wochen viel darüber nachgedacht, inwiefern wir noch einmal Eltern werden sollten. Der Raketenpapa hat eine eindeutige Meinung dazu und mittlerweile habe ich sie auch. Ein drittes Kind wird – entgegen vieler Meinungen – eben nicht nebenbei groß. Das klappt ja schon beim zweiten nicht. Und ich würde das ehrlich gesagt gar nicht wollen. Denn auch dieses dritte Kind sollte unsere volle Aufmerksamkeit bekommen können. Und genau das ist der Knackpunkt.

Ich schaffe es momentan nicht unseren beiden Kindern gleich gerecht zu werden und verliere mich immer wieder selbst aus den Augen. Zudem werden meine Tage auch in Zukunft nur 24 Stunden haben. Diese sind momentan und sicherlich auch zukünftig prall gefüllt. Und die wenige Zeit, die wir als Familie haben, dann auch noch durch drei Kinder teilen zu müssen, erscheint mir unmöglich.

Ich bin fast 36 und meine Nerven sind es auch. Seit vier Jahren werden sie mal mehr und mal weniger strapaziert und der Geduldsfaden ist aufgrund des Schlafmangels oft viel zu dünn. Ich will mir gar nicht erst ausmalen, was passiert, wenn er noch dünner wird oder sich womöglich gar nicht mehr flicken lässt. Dann werden die eigenen vier Wände bestimmt durchaus ungemütlich.

 

Ein Abschied…oder?

Mittlerweile fühle ich, dass wir zu viert bleiben werden. Und es fühlt sich gut an. Viele Dinge sind zu viert am besten: Kleeblätter, Musketiere, Jahreszeiten und eben auch wir. Und doch schmerzt es mich, wenn ich wieder eine Kleidergröße wegsortieren muss oder eben Wollsocken zu Tode wasche. Denn es bedeutet jeweils immer den Abschied von dem, was noch hätte sein können.

Ich war noch nie gut in Abschieden. Selbst wenn sie richtig und wichtig waren, wohnt ihnen doch immer etwas Endgültiges und Unwiderrufliches inne. So ist es auch hier. Die biologische Uhr tickt eifrig und irgendwann gibt es einfach auch kein Zurück mehr. Vielleicht ist das in unserem Fall aber gar nicht so schlimm.

 

 

 

 

Oder doch?

 

Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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