Ich bin 36 Jahre alt und komme zum ersten Mal richtig bei mir an. Ich befinde mich im Umbruch und lege Finger in meine Wunden, hinterfrage mich, meine Entscheidungen und meine Pläne. Hinter all den Gedanken steht die eine Frage: Was macht mich glücklich? Was tut mir gut? Was brauche ich, um der Mensch zu sein, der ich sein möchte? Was benötige ich, um die Mutter zu sein, die meine Kinder verdienen? Die Suche nach dem Glück ist nicht leicht, denn sie fängt bei einem selbst an und zwingt einen ganz genau hinzusehen. Das mache ich jetzt und immer wieder.

Zurück zum Selbst

In den letzten Jahren hatte ich oft das Gefühl, dass etwas fehlt. Ich fühlte mich unvollständig und gleichzeitig war mein Kopf zum Bersten gefüllt. Ich fühlte, dass ich stagniere, während ich durch den (Familien-) Alltag hetze und ich hatte sehr oft das Gefühl mich von mir selbst zu entfernen. Ich kann nicht gut bei mir bleiben, denn ich bin (zu) gerne und (zu) oft für andere da. Gerade in Momenten, in denen es wichtiger wäre mich auf mich selbst zu besinnen und den Pauseknopf zu drücken, spule ich lieber vor, um hier gerne einen Gefallen zu tun oder dort eine weitere große Kleinigkeit zu erledigen. Nein zu sagen, fällt mir nicht nur schwer. Dieses Wort scheint in meinem Wortschatz teilweise sogar vollkommen zu verschwinden.

Ja zum Nein

Seit einigen Wochen schaue ich nun schon genauer hin. Ich lege meine Gedanken, Pläne und Wünsche unter ein Mikroskop und zwinge mich innezuhalten und in mich hineinzuspüren, ob mein Bauch und mein Herz eindeutig Ja oder Nein rufen. Das mache ich bei kleinen und großen Entscheidungen. Sobald ich fühle, dass sich etwas eben nicht wie ein großlettriges JA anfühlt, schaue ich genauer hin und überlege, wie sich ein Nein anfühlen würde. Sind wir beispielsweise irgendwo eingeladen, haben aber nach Wochen des zahnenden Babys und grausamer Nächte dringend das Bedürfnis zu Hause bleiben zu müssen, ist die Antwort ein klares Nein. Ein Ja würde nämlich sehr wahrscheinlich zusätzlichen Stress bedeuten, der dann irgendwann darin gipfelt, dass alle schlechte Laune bekommen oder ich beispielsweise einen Wutanfall der kleinen Rakete eben nicht gelassen begleiten kann.

Auch wenn ich um Hilfe gebeten werde, verfahre ich mittlerweile so. Ich bin ein Mensch der gerne hilft und oft für andere da ist. Wenn mich aber ein Hilferuf erreicht, der nicht nur von mir erhört werden könnte oder bei dem mein Zutun nicht (lebens-)notwendig ist, wäge ich ab. Momentan fehlt mir oftmals die Kraft mir selbst zu helfen. Deshalb macht es wenig Sinn den mickrigen Rest meiner Kräfte für andere zu mobilisieren. Und genau das kommuniziere ich und genau das wird tatsächlich auch verstanden.

Ja zum Später

Einen absoluten Aha-Effekt hatte ich bezüglich des Themas Hausbau bzw. Hauskauf. In den vergangenen Monaten haben wir angefangen uns damit zu beschäftigen. Als ich das jedoch hinterfragt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen momentan nicht bauen oder kaufen zu wollen. Auch hier habe ich mich mit meinen Motiven beschäftigt und mir die Frage gestellt, warum wir uns jetzt überhaupt mit diesem Thema beschäftigen und wie sich das eigentlich anfühlt. Und es fühlte sich überhaupt nicht nach einem Ja an. Tatsächlich bauen gerade viele unserer Freunde Häuser und tatsächlich ist Wohneigentum ja auch etwas, dass „man bestenfalls in den Dreißigern macht und realisiert, wenn man kann“. Wir könnten vermutlich, aber wollen wir das wirklich?

Wenn ich genau hinsehe, merke ich, dass ich mich in unserer Wohnung momentan noch sehr wohlfühle. Und sind wir mal ehrlich: Ich schaffe es nicht unsere 120 qm sauber zu halten, wie soll mir das mit einem Haus gelingen? Und sind wir ein zweites Mal ehrlich: Woher sollen wir die Kraft und Zeit nehmen uns mit einer so großen Sache zu beschäftigen, ohne dass wir selbst und unsere Kinder auf der Strecke bleiben? Wir brauchen jetzt kein Haus, um glücklich zu sein. Denn das sind wir momentan in unserer Wohnung. Und die eine Sache, die uns fehlt ist lediglich ein eigener Garten, in dem wir selbst Obst und Gemüse anbauen können. Diesen können wir uns sicherlich ohne viel Aufwand anschaffen und Besitzer eines Schrebergärtchens werden. Und wenn wir uns später doch nach den eigenen vier Wänden sehnen, ist dann immer noch Zeit dafür.

Die Suche nach dem Glück

Die Suche nach dem Glück ist vielschichtig und bedeutet oft zu hinterfragen, auszuprobieren und sich mit sich selbst zu beschäftigen. Ich lerne langsam Nein sagen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und ich merke, wie gut so ein Nein oft auch tun kann. Denn ein Nein zu einer Sache ist immer auch ein Ja zu einer anderen. Ich möchte Ja sagen, weil genau das glücklich macht. Also sage ich Ja zu mir selbst, zu meinen drei Lieblingsmännern und zu all den Dingen, die ein Kribbeln im Bauch und ein warmes Gefühl im Herzen hinterlassen. Und dabei stelle ich fest, dass das immer passiert, wenn das Ja entweder mir Zeit für mich selbst oder mir Zeit mit meiner Familie beschert. Und das ist ein ganz großartiges Gefühl und macht mich schwer glücklich.

Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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