Schon innerhalb meiner Schwangerschaft habe ich schnell den Eindruck bekommen, dass die Grenzen zwischen richtig und falsch sehr dünn und durchlässig sind, wenn es um Kinder geht. Was die Einen für richtig halten, wird von den Anderen leicht und kämpferisch zerrissen. Da heißt es bspw. natürliche Geburt vs. Kaiserschnitt, Stillen vs. Fläschchen, Impfen vs. nicht und in gar keinem Fall impfen, Latexschnuller vs. Silikonschnuller und so weiter und so fort. Je nachdem welches dieser oder der zahlreichen anderen Themen angekratzt wird, beginnt der Diskurs. Da prallen Meinungen und Überzeugen aufeinander, werden Studien und Artikel zitiert und es wird mit gefährlichem Halbwissen geglänzt. Mich macht das seit jeher verrückt und ja, es macht mich auch unsicher. Zu vielen dieser Themen habe ich eine klare Meinung und trotzdem immer einen gewissen Respekt davor der kleinen Rakete etwas wohlgemeint zuzumuten und ihm damit irgendwelche Langzeitschäden zu bescheren.

Impfen oder nicht impfen?

Während meines gestrigen Physiotherapie-Termins haben der Mann mit den Wunderhänden – seines Zeichens Physiotherapeut und Teilzeitesoteriker – und ich uns unterhalten. In diesem Gespräch haben wir verschiedene Themen angekratzt. So auch das Reizthema “Impfen“. Er selbst zitierte schon in seinem zweiten Satz eine amerikanische Studie, die angeblich nachgewiesen habe, dass das Impfen von Kindern Autismus zur Folge haben kann. Und genau da bin ich zusammengezuckt und habe das Wort “Rabenmutter” über meinem Kopf schweben sehen.

Gleichzeitig hatte ich ein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber. Und genau in diesem Moment wusste ich auch, warum ich mir vor Monaten schwor nicht mehr mit anderen über das Thema Impfen zu sprechen. Hier gibt es nämlich keine Kompromisse, sondern nur sehr klare Überzeugungen und heiße Diskussionen. Letztere enden immer ohne den bekannten gemeinsamen Nenner oder ein nennenswertes Resultat. Hier rückt nämlich niemand von seiner Überzeugung ab und zitiert lieber eine Studie mehr, als der andere, als die Argumente des Gegenübers auch nur anzudenken. Das Thema Impfen ist und bleibt ein Minenfeld.

Das Beste für mein Kind?

Was soll ich sagen? Die kleine Rakete ist geimpft und wird weiter geimpft. Und ja, ich habe mich vor der ersten Impfung belesen und das Für und Wider abgewogen. Vielleicht hat mich auch die damalige Debatte um die Masernimpfung in meiner Überzeugung bestätigt. Konnte ich mir doch nicht vorstellen, mein Kind an einer Krankheit sterben zu sehen, die ich mit einem bis drei Piksern sehr wahrscheinlich vermeiden kann! Und doch habe ich mich in Diskussionen begeben und den Wissensschatz von anderen angezapft. Eine sehr gute Freundin lässt beispielsweise keines ihrer beiden Kinder impfen und hat dazu auch ordentlich recherchiert. Ihre Argumente klingen so stichhaltig, dass es immer lohnenswert war sie sich anzuhören. Trotzdem hatten diese Diskussionen eine Bissigkeit, die ich von uns beiden nicht kannte. Außerdem gebe ich gerne zu, dass ich aus ihnen immer verwirrt und unsicher hervorging. Wie kann es sein, dass es für beide Lager so viele belegende Studien gibt? Wer soll denn da noch wissen, wer hier eigentlich recht hat und wer tatsächlich das Beste für den eigenen Nachwuchs macht?

Wir haben das Glück einen sehr guten Kinderarzt zu haben, dem wir wirklich vertrauen. Vor dem ersten Impfen habe ich meine ganzen Unsicherheiten vor ihm ausgebreitet und mir sehr genau erklären lassen, was genau Impfen eigentlich bedeutet. Überzeugt hat mich letztlich, dass er meine Frage ob er auch seine eigenen Kinder impfen lassen hat, mit einem eindeutigen “ja” beantwortete. Das und mein Mutterinstinkt waren die Grundlage für den Impfpass der kleinen Rakete. Ich stehe nach wir vor hinter dieser Entscheidung.

Sonnencreme – ein Teufelszeug?

Ähnlich heiß wird in meinem Bekannten- und Freundeskreis im Sommer die Verwendung von Sonnencreme diskutiert. Die Einen rennen ihrem Nachwuchs ständig hinterher und jagen ihn in den Schatten und die Anderen cremen alle zwei Stunden nach. Auch hier gibt es Studien, Fachartikel und viele, viele Diskussionen. Ist es schädlicher sein Kind ungeschützt der Sonne auszusetzen oder handelt es sich bei eben dieser Creme um reines Gift für Niere, Leber und Darm? Und ist sie obendrein krebserregend?

In seinem ersten Lebensjahr hat die kleine Rakete so gut wie keine Sonne abbekommen. Mit einem Kleinkind gestaltet sich das allerdings recht schwierig. Immerhin kann er sich mittlerweile und oft zum Leid seiner Mutter rasendschnell von A nach B bewegen. Noch dazu hat er nun seinen eigenen Kopf und sieht es gar nicht ein immer im Schatten zu bleiben. Auch hier haben wir abgewogen und uns letztlich dafür entschieden Ihmchen einzucremen, wenn wir nicht gewährleisten können, dass er überwiegend im Schatten bleibt. Dass Sonnencreme bspw. krebserregend sein soll, habe ich erst recht spät erfahren und mich gleichzeitig über die Tatsache gewundert, dass man auf sie verzichtet. Immerhin ist die Sonnenstrahlung selbst erwiesenermaßen auch krebserregend. Scheinbar sind also beide Optionen schwierig und belastend. Unser Kompromiss besteht hier darin maßgeblich auf genau die Cremes zurückzugreifen, die bspw. von Ökotest empfohlen werden. Richtig kann man es auch hier anscheinend eh nicht machen. Mein Gefühl sagt mit allerdings, dass es besser ist zu cremen. Diesem folge ich und bin dennoch auch hier unsicher, das Richtige zu tun.

Dammschnitt vs. Kaiserschnitt

Gerade online habe ich viele leider auch sehr bissige Diskussionen zum Thema natürliche Geburt vs. (Wunsch-)Kaiserschnitt gelesen. Müttern, die einen Wunschkaiserschnitt hatten wurde oftmals unterstellt, dass sie den leichten Weg gehen würden. Zudem wurde immer mit erhobenem Zeigefinger darauf hingewiesen, dass ein Kaiserschnitt die Mutter-Kind-Bindung beeinträchtigen würde. Außerdem habe ich oft gelesen, dass Mütter, die einen Kaiserschnitt wählen, ihrem Kind eine wichtige Grundlage für das Immunsystem vorenthalten würden. Immerhin, so heißt es, durchqueren die Kaiserschnitt-Babys nicht den Geburtskanal und kommen nicht mit den Mutterkeimen in Berührung.

Ich selbst hatte eine natürliche Geburt und kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie leid mir die Kaiserschnitt-Mütter taten, weil sie beim Laufen und Stehen enorme Probleme hatten. Wenn ich mich an diese Bilder erinnere, zweifele ich sehr daran, dass dies der leichtere Weg ist. Und viel wichtiger ist, dass ich es bedenklich finde, wie viel Druck bei so einem sensiblen Thema ausgeübt wird. Glücklicherweise haben wir Frauen in Deutschland die Möglichkeit zu wählen. Warum sollten es werdende Mütter nicht dürfen, ohne gleich dafür angefeindet zu werden? Wenn die Angst vor der Geburt so groß ist, dass der Kaiserschnitt als guter Weg erscheint, ist das gut. Und wenn ein Kaiserschnitt unumgänglich war, dann braucht keine Mutter dieser Welt deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben! Ich bin der festen Überzeugung, dass die Mutter-Kind-Beziehung durch Liebe und nicht im Geburtskanal wächst. Und ich bin mir sicher, dass auch Kinder, die anhand eines Kaiserschnitts zur Welt gekommen sind, glückliche Kinder sind. Also weg mit den Vorurteilen und her mit dem Verständnis und einem angebrachten Maß an Empathie!

Working Mom vs. Stay-at-home-Mom

Kürzlich wurde mir gesagt, dass man nur ein Entweder oder ein Oder sein könnte. Entweder man ist Mutter, oder man arbeitet. Beides geht nicht. Immerhin könne man immer nur 100 % geben. Und wenn Frau arbeiten geht, dann kann sie nicht 100 % Mutter sein. Für mich hat das bedeutet, dass mir als arbeitender Mama damit unterstellt wird nicht so eine gute Mutter sein zu können, wie die, die zu Hause bleiben und sich ganztägig um ihre Kinder kümmern. Das hat gesessen, machte mich unsicher und hat mich einige Tage beschäftigt. Heute kann ich sagen, dass das absoluter Quatsch ist. Für mich war immer klar, dass ich auch mit Kind(ern) wieder arbeiten gehen würde. Ich habe viele Jahre darauf verwendet mich sehr gut ausbilden zu lassen und liebe meinen Job. Das ist etwas, das ich für mich mache. Mich macht es glücklich mich im Berufsalltag beweisen zu können und Erfolge zu feiern. Und wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass eine glückliche Mama auch eine ausgeglichenere Mama ist. Wenn ich nicht glücklich bin, kann ich auch keinen anderen Menschen glücklich machen – auch nicht meinen Sohn.

1000 % Mutter

Ich selbst fühle mich als 1000 %ige Mutter. Auch wenn ich manchmal zweifele, kann ich stolz behaupten, dass ich unterm Strich eine tolle Mama bin. Der Beweis ist ein absolut glückliches und ausgeglichenes Kind. Als arbeitende Mutter lebe ich meinem Sohn jeden Tag vor, dass es sich lohnt einen schwierigen Weg zu gehen, wenn das Glück am Ende winkt. Es ist nicht leicht für mich einen Vollzeit-Job und ein Kleinkind unter einen Hut zu bekommen. Es zu schaffen, ohne dass die Tage von purem Stress geprägt sind, ist umso schwerer. Aber letztlich lohnt es sich für mich und füllt mich aus. Außerdem lebe ich der kleinen Rakete damit vor, dass es wichtig ist immer auch bei sich zu bleiben und an sich selbst zu denken. Altruismus in allen Ehren, aber so lange man nicht auch ab und zu an sich denkt, verliert man sich irgendwann.

Wenn es eine Mutter glücklich macht ihre Kinder selbst zu Hause zu betreuen, ist das großartig! Wenn es sie gänzlich ausfüllt, ist das sogar umso besser! Das meine Entscheidung eine andere ist, macht mich jedoch nicht zu einer schlechteren Mama. Ich mache nur vom gleichen Recht Gebrauch und tue das, was mich glücklich macht.

Warum zerreißen wir uns gegenseitig?

Es gibt so unglaublich viele Dinge, die gerade junge Mütter verunsichern. Warum können gerade wir Frauen uns nicht einfach im Andersdenken und Anderssein unterstützen? Ich verstehe diese endlosen, verletzenden und unnötigen Diskussionen nicht. Seit ich Mutter bin, bekomme ich viele so genannte Ratschläge und Hinweise, die ich nie wollte. Viele Menschen um mich herum scheinen grundsätzlich zu wissen, was das Beste für mein Kind ist. Manche davon kennen weder meinen Sohn, noch mich. Und ich weiß, dass es anderen Müttern genauso ergeht. Warum also zerreißen wir Mütter uns untereinander zusätzlich gegenseitig? Warum sind wir nicht froh selbst bestimmen und wählen zu können? Und wo bleibt der Respekt für die Entscheidungen anderer Mütter? Ich unterstelle jeder Mutter ihre Entscheidungen abzuwägen und grundsätzlich das Beste für ihren Nachwuchs zu wollen. Wenn sie also nicht stillen will, dann ist das ihre persönliche Entscheidung. Ihr Kind wird nicht weniger glücklich sein, weil es an einer Flasche und nicht an einer Brust saugt. Und wenn eine Mutter das Familienbett nicht toll findet, weil sie dort keine Sekunde Schlaf findet, dann ist das okay. Eine ausgeschlafenere Mutter ist nämlich mit Sicherheit besser als eine, die genau so gut The Walking Dead entsprungen sein könnte. Und was soll ich sagen, Gläschen sind nicht das Ende der Welt. Die kleine Rakete hat den Inhalt einiger davon zu sich genommen und stellt euch vor: er hat überlebt.

Es ist nicht schwer nett zu sein

Seit ich mich oft mit Situationen konfrontiert sehe, in denen andere Menschen meine Fähigkeiten als Mutter gnadenlos beurteilen, versuche ich es besser zu machen. Sehe ich eine Mama, deren Kind sich bspw. vor der DM-Kasse wütend auf den Boden wirft und sich dreht wie ein Brummkreisel, nicke ich ihr mindestens verständnisvoll zu. Oftmals erzähle ich ihr sogar, dass es bei uns genauso abläuft und die kleine Rakete sich momentan bis zu 10 Mal täglich in Wutanfällen austobt. Es ist nicht schwer anderen Müttern die Hand zu reichen und ihnen zu sagen, dass man im selben Boot sitzt. Denn das tun wir alle. Ich kenne zumindest keine, die nicht hin und wieder zweifelt und unsicher ist. Mir selbst haben verständnisvolle Blicke und aufmunternde Worte anderer Mütter schon ganze Tage gerettet. Es ist nicht schwer nett zu sein, auch wenn jemand anderes einen anderen Weg als ihr einschlägt. Probiert es aus!

Eine blau-rote Rakete steigt nach rechts oben

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